Freitag, Juni 20, 2008

Crunch Time, Teil zwei.

Mit meinem Tipp für gestern habe ich ja schonmal daneben gelegen. Der Ärger darüber hält sich aber in Grenzen ... Mal gucken, ab ich mit den Einschätzungen der anderen Viertelfinals eher richtig liege:

Niederlande - Russland
Von dieser Begegnung erwarte ich nichts weiter als ein begeisterndes Offensivfeuerwerk. Bis auf vielleicht Spanien und Portugal kann kein anderes Team so schnell nach vorne spielen wie die Niederländer und die Russen. Die Elftal hat in der Vorrunde Vize- und Weltmeister Frankreich und Italien regelrecht abgeschlachtet und die Sbornaja hat spätestens gegen Schweden gezeigt, was sie drauf in der blitzartigen Vorwärtsbewegung drauf hat. Über die Qualität im holländischen Angriff braucht man angesichts solcher Leute wie Robben, Sneijder und van Nistelrooy nicht reden und auch die Russen haben mit Arshavin und Pavljuchenko Großartiges zu bieten. Noch wichtiger als in anderen Spielen wird hier sein, welches Team das erste Tor erzielt. Das wird nämlich den Gegner dazu zwingen, sein Spiel zu öffnen und Raum für Konter bieten, die beide Mannschaften exzellent zu nutzen wissen.Mein Tipp für dieses Spiel: Viele Tore, am Ende gewinnen die Niederlande knapp mit einem Treffer Vorsprung.

Spanien - Italien
Offensiv- gegen derzeit etwas angeknockte Defensiv-Künstler - ein Spiel der Kontraste, nicht nur deswegen. Spanien ist bisher mit einer gewissen Lockerheit durch das Turnier marschiert und gehörte gleich nach dem ersten Auftritt beim 4:1 gegen die Russen zu den größten EM-Favoriten. Italien dagegen hat sich ziemlich einen abgebrochen und ist erst durch einen Sieg der Holländer gegen Rumänien und den eigenen Triumph über Frankreich ins Viertelfinale gekommen. Der amtierende Weltmeister ließ bisher viel vermissen, darf aber natürlich jetzt in der K.O.-Runde keinesfalls unterschätzt werden. Eine Leistungssteigerung ist mit Sicherheit noch drin und die wird vermutlich auch kommen. Andererseits dürften die Gelb-Sperren von Gattuso und Pirlo ziemlich schwer wiegen. Mal schauen, wie die Squadra Azzurra diese Ausfälle kompensieren kann. Spanien schwebt dagen auf Wolke sieben, konnte sich im dritten Gruppenspiel sogar leisten, fast alle Stammkräfte zu schonen. Mein Tipp: Spanien wird gewinnen - falls Italien sich vor allem hinten am Riemen reißt, nur knapp, ansonsten ist durchaus auch eine deutliche Demonstration gegen den Weltmeister drin.

Donnerstag, Juni 19, 2008

Crunch Time.

Im Basketball bezeichnet "Crunch Time" die Phase eines Spiels, in der sich der Ausgang der Partie entscheidet. Ich fand das als Überschrift für diesen Beitrag, in dem ich einen Blick auf die Viertelfinal-Paarungen bei der EM werfen will, ganz passend. Zwar entscheidet sich heute und in den kommenden drei Tagen noch nicht, wer den Coupe Henri Delaunay holt, aber zumindest, wer genau das dieses Mal nicht tun wird. Gucken wir mal, welche vier am Sonntag noch übrig sind. Ich für meinen Teil habe relativ genaue Vorstellungen, welche Teams das sein werden.

Portugal - Deutschland
Hierzulande natürlich DAS Spiel im Viertelfinale und das wenig überraschend. Ich muss sagen, dass mir die die Vorfreude auf dieses eigentlich sehr spektakuläre Match ein wenig durch das ganze Verletzungs- und Trainersperre-Theater vorher genommen wurde. Aber heute Abend kurz vor Anpfiff ist das sicher auch vergessen. Was ist zu erwarten von diesem Spiel? Portugal hat sich mit seinen bisherigen Leistungen als drittstärkste Kraft bei dieser EM hinter Spanien und den Niederlanden eingereiht, Deutschland hat nach beeindruckendem Start gegen Polen ein bisschen den Faden verloren und ist mehr so ins Viertelfinale getaumelt. Von daher liegen die Vorteile ganz klar bei Portugal, die auch auf vielen Positionen individuell besser besetzt sind. Die Portugiesen haben nicht einen schwächelnden Mannschaftsteil zu bieten und wie gute Einzelspieler wie Ronaldo, Moutinho oder Pepe sind, darüber muss denke ich nicht mehr diskutiert werden. Auf der anderen Seite ist Deutschland wahrscheinlich richtig heiß auf dieses Spiel. Nach allen Rückschlägen (Poldi, Frings, Löw) dürfte sich in der Nationalelf eine "Alles oder nichts"-Stimmung eingestellt haben, die durchaus für eine richtig engagierte Leistung sorgen könnte. Ich gehe dennoch davon aus, dass die DFB-Auswahl heute ihr letztes Spiel bei dieser EM machen wird. Mein Tipp: Knapper Sieg für Portugal.

Kroatien - Türkei
Ein Viertelfinale, wie ich es mir auf gar keinen Fall gewünscht habe. Von der Ansetzung her das uninteressanteste der vier Spiele in der ersten K.O.-Runde. Nach den ersten Auftritten in der Gruppenphase hatte ich beide als ziemlich schwach eingestuft, nun schaffen es entweder die Kroaten oder die Türken sogar ins Halbfinale. Die Türkei ist nach teils unfassbaren Last-Minute-Siegen gegen die Schweiz und Tschechien wahrscheinlich immer noch im Totalrausch und schwimmt auf einer Euphoriewelle, was einige Unzulänglichkeiten im spielerischen Bereich kompensieren könnte. Die Jungs wollen noch richtig was schaffen, müssen allerdings wegen einer Rotsperre auf ihren ersten Torwart Volkan verzichten. Inwiefern der alte Rüstü eine Schwäche darstellt, musst sich erst noch zeigen. Meine Zweifel habe ich dennoch, ob Volkan seinem Team mit dem Ausraster gegen Jan Koller nicht einen ziemlichen Bärendienst erwiesen hat. Die Kroaten sind ebenso wie die Türken sehr von sich überzeugt und können das nach einem starken Auftritt gegen Deutschland wohl auch sein. Ich hätte nicht wirklich mit ihnen gerechnet, hielt sogar Polen anfangs für stärker. Nun sind sie mit beeindruckenden neun Punkten ins Viertelfinale gerauscht und haben einigermaßen gute Karten, auch das zu überstehen. Trainer Bilic hat zwar mit einigen Verletzungssorgen zu kämpfen, wird aber immer noch eine schlagkräftige Truppe auf den Rasen schicken können - immerhin siegte sogar eine fast komplette B-Elf ohne größere Probleme gegen Polen. Mein Tipp: Damit tue ich mich ganz schwer. Chancen stehen 50:50. Ich sag mal unentschieden nach 90 Minuten, dann die Türken in der Verlängerung weiter. Das können die einfach.

Aus Zeitgründen ist hier erst einmal Feierabend, Niederlande - Russland und Spanien - Italien reiche ich später nach!

Mittwoch, Juni 18, 2008

Marseillaise-Klingelton vs. Campioni-Shirt.

Ribery und Toni - gestern waren sie bei der EM Rivalen, im Verein scheinen sie aber ganz gut miteinander klar zu kommen. Das suggeriert zumindest dieses amüsante Video, dass gestern vor dem Spiel Frankreich gegen Italien im ZDF gezeigt wurde und mir so viel Spaß gemacht hat, dass ich es trotz des hohen Bayern-Faktors gerne hier verlinke.

"Deutschland über alles" im Schweizer Fernsehen.

Zwei junge Mitarbeiterinnen des Schweizer TV-Senders SF2 sollten eventuell eine Fortbildung zum Thema "Copy and Paste" besuchen. Dann passiert ihnen vielleicht nicht noch einmal so ein peinlicher Fehler wie am Montag. Da haben sie schön die doch leicht ideologisch vorbelastete erste Strophe des Deutschlandliedes aus dem Internet in den spielbegleitenden Teletext ihres Senders kopiert.

So flackerte beim Spiel Deutschland gegen Österreich, während die deutsche Hymne abgespielt wurde, unter anderem die Textzeile "Deutschland, Deutschland über alles" über Schweizer Bildschirme. Und weil in vielen Kneipen wegen des Lärms der Text-Kommentar angeschaltet war, erreichte der Faux Pas auch eine ganze Menge Zuschauer. Wenn schon, denn schon!

Dienstag, Juni 17, 2008

So viele Weitschusstore.

Jaja, wie reife Äpfel sollten sie fallen, die Weitschusstore - so wurde es vor Beginn der EM von diversen Torwarten, u.a. Gigi Buffon, prophezeit. Schuld daran werde der komische Spielball sein, der so seltsam und unberechenbar flattert.

Nun kam es ganz anders, allzu viele Tore aus größerer Distanz hatte es bis gestern überhaupt noch nicht gegeben - bemerkenswert nach bereits 18 Spielen.

Michael Ballacks Freistoßtor gegen Österreich war laut DFB-Bericht der erste Treffer überhaupt aus mehr als 20 Metern Entfernung. Mal schauen, vielleicht sind die Äpfel ja jetzt endlich reif und wir bekommen noch mehr solcher Raketen-Tore zu sehen.

Der Kollege Dr. Selzsam hat übrigens die Theorie, es würden kaum Treffer aus der Distanz fallen, weil die Defensivspieler eben wegen der Gefährlichkeit des neuen Balles Weitschüsse verstärkt zu verhindern suchten. Müsste es dann nicht aber andererseits noch mehr Tore aus dem Strafraum geben, weil dieser dann ja weniger stark bewacht werden könnte?

Leider gibts kein legales Video vom Ballack-Hammer im Netz, aber immerhin gibt's auf stern.de eine schöne 3D-Animation des Treffers.

Montag, Juni 16, 2008

Auf den Mund geschaut.

Wir Sofa-Experten regen uns gerne über die bei der EM gezeigten beziehungsweise gehörten Leistungen der ARD- und ZDF-Moderatoren und -Kommentatoren auf und auch sonst liest man in der deutschen Sport-Blogosphäre vielerorts Kritisches über Kerner, Beckmann, Wark, Poschmann und Co.

Leider viel zu spät habe ich nun entdeckt, dass Stern online jeden Tag eine EM-Fernsehkritik bringt, mit deren Beobachtungen und Meinungen ich größtenteils übereinstimme. Kann man gut lesen und sich darin bestätigt fühlen, die Leistung von Wolf-Dieter P. gestern Abend mal wieder richtig schlecht gefunden zu haben.

Lieber Gott, bitte hör' nicht hin.

Gut neun Stunden sind's noch bis zum Anpfiff des Dramas Österreich gegen Deutschland. Wer bisher noch nicht begriffen hat, worum es geht, der schaue sich bitte dieses Video von Mambo Kurt & Hanna an:



Ganz davon abgesehen, dass ein deutscher Sieg den Einzug ins Viertelfinale bedeuten und eine mittelschwere nationale Krise gerade noch abwenden würde - wenn "wir" gewinnen, hätten keine akustischen Folterknechte mehr eine Motivation, solche Songs zu schreiben und Clips dazu zu produzieren.

Ich brauche jetzt ne Runde Death Metal, sonst drehe ich durch.

[via]

Samstag, Juni 14, 2008

Holland boven!

So, an dieser Stelle darf die unparteiische Berichterstattung einmal meiner niederländischen Halbheimatsbrille weichen:

"In een fantastisch voetbalgevecht bedwong het Nederlands elftal vice-wereldkampioen Frankrijk met 4-1." Quelle
(In einer fantastischen Fußballschlacht bezwang die niederländische »Elftal« den Vize-Weltmeister Frankreich mit 4-1")

Und hier gibt es die Fotoserie "Die Kinder der Holänder". Und das finde ich wirklich bemerkenswert, ist mir auch schon nach dem ersten Spiel aufgefallen: Die Familien sitzen alle nah am Spielfeldrand, nach Abpfiff hieven die Stars ihre Kinder auf den Arm und beglückwünschen sich gegenseitig zu den Siegen und zu den hübschen Kindern. Nicht die Siege gegen Welt- und Vizeweltmeister Italien und Frankreich an sich sollten die Konkurrenz aufschrecken, sondern die Tatsache, das die niederländische Mannschaft eine Geschlossenheit und einen Teamgeist aufweist, dessen langjähriges Fehlen die Holländer oft von Titelgewinnen abgehalten hat.

Donnerstag, Juni 12, 2008

Läuft von alleine.

Zwar schon einen Tag alt, aber zu schön, um nicht doch noch empfohlen zu werden: ein köstliches Interview der Süddeutschen Zeitung mit Torsten Frings und Michael Ballack. Zur Einstimmung hier mal die ersten Zeilen:

SZ: Herr Ballack, Herr Frings, wie lange kennen Sie sich eigentlich?

Torsten Frings: Wir haben mal in der U21 zusammengespielt. Wann war das genau?

Michael Ballack: Der Torsten kam ein bisschen später dazu als ich. Ich war damals ja schon ein gestandener Spieler in der U21, Torsten war noch ein Jungspund.

Frings: Von wegen, ich hab’ im Gegensatz zu dir schon Bundesliga gespielt...

Ballack:...ja, Bundesliga, aber eben nicht in der Auswahl.

Frings: Ich bin als junger Spieler halt verkannt worden.

Ballack: Aber du hast doch auch nicht erste Liga gespielt damals.

Frings: Wieso hab’ ich nicht erste Liga gespielt?

Ballack: War Alemannia Aachen vielleicht in der ersten Liga?

Frings: Wieso Aachen? Ich war da schon in Bremen! Ich habe Bundesliga gespielt, da warst du noch mit Chemnitz in der Regionalliga.

Ballack: Ich war da schon Meister.

Frings: Mit der Jugend, oder was?

Ballack: Nein, mit Kaiserslautern, aber das war später (1998; Anm. d. Red.), da hast du recht.

SZ: Brauchen Sie uns noch? Wir können auch gehen.


[via]

Stopp Schwyz.

Die Schweizer sind raus. Zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen und Feierabend. Beide Male war es knapp - 0:1 gegen Tschechien, 1:2 gegen die Türkei - und in beiden Fällen höchst vermeidbar.

Sie konnten einem gestern Abend richtig leid tun, die "putzigen Schweizer", wie sie von meiner Mitbewohnerin nicht ganz zu Unrecht eigentlich ständig genannt werden. Hatten gut gespielt und am Ende doch verloren - nicht nur ein Spiel, sondern unterm Strich die ganze EM, die zur Hälfte in ihrem Land stattfindet und bei der sie so weit kommen und viel zeigen wollten.

Das Potenzial dazu war da. Trainer Köbi Kuhn (noch so ein Putziger, zumindest vom Namen her) hatte eine starke, junge Mannschaft zusammen, die heiß war. Vielleicht ein bisschen zu heiß, fehlte es in beiden Partien doch an kühlem Kopf und einem Schuss Cleverness. Die Eidgenossen waren nämlich zumindest in meinen Augen in beiden Gruppenspielen das bessere Team, das es allerdings pro Begegnung mehrfach verpasste, den Ball im Tor zu versenken und so für die Vorentscheidung zu sorgen (gegen Tschechien) oder gleich ganz den Sack zu zu machen (gestern gegen die Türken beim Stand von 1:0). Wer mit einem solch großen Aufwand spielt wie die Schweizer und sich dann nicht selbst mit Toren belohnt, muss sich am Ende nicht wundern, mit leeren Händen dazustehen. Die fehlende Abgebrühtheit ist für mich deshalb der Schlüssel zum Schweizer Notausgang, grundsätzlich ist/war die Qualität fürs Viertelfinale nämlich ganz sicher vorhanden.

So bleibt für die Schweiz, die mit den Verletzungen von Alex Frei und Marco Streller sowie den privaten Sorgen von Coach Kuhn zweifellos auch eine Riesenportion Pech zu stemmen hatte, nun im eigenen Land nur noch die Zuschauerrolle. Schade, da wäre deutlich mehr drin gewesen.

Mittwoch, Juni 11, 2008

Warkhalsige Kommentare.

Eine überschriftliche Hommage an Dr. Selzsam. Aber darum geht's eigentlich gar nicht.

Vielmehr möchte ich an dieser Stelle festhalten, wie dick Thomas Wark heute meine prä-europameisterschaftliche Kritik an seinen Leistungen als Live-Kommentator unterstreicht.

Gerade spielt Portugal gegen Tschechien. Es steht eins zu eins. Als die Tschechen den Ausgleich machten, sagte Wark Folgendes: "Die Portugiesen mussten gerade zum ersten Mal realisieren, dass sie nicht unverwundbar sind - und dass, obwohl viele Fachleute sie nach dem ersten Auftritt zu Geheimfavoriten erklärt haben."

Is' klar, nach den ganzen schlechten Auftritten in den letzten Jahren musste sich Portugal erst mal die (Geheim)Favoriten-Rolle erspielen. Und unverwundbar? Stimmt, die dachten sicher, ohne auch nur das klitzekleinste Gegentor durchs Turnier zu spazieren.

Außerdem sprach er von einem Trend Richtung "torreiche EM", was mich an meinen Eintrag von gestern denken ließ.

Während der ganzen ersten 45 Minuten nervte der ZDF-"Experte" darüber hinaus mit einer völlig falschen Aussprache des Namens Pepe. Laut Wark heißt der portugiesische Abwehrspieler nämlich Päpp oder so ähnlich. Gruselig.

Wer das jetzt alles für Erbsenzählerei hält, der hat vielleicht sogar ein bisschen recht. Andererseits habe ich keine andere Chance, als diesem Quatschkopf zuzuhören, wenn ich das Spiel mit Ton sehen möchte. Das ist gemein - da werde ich mich wohl ein bisschen aufregen dürfen. Und von meinen verschwendeten TV-Gebühren will ich erst gar nicht anfangen ... (Allergiker-Warnung: Der letzte Satz könnte Spuren von Ironie enthalten)

Dienstag, Juni 10, 2008

EM-Team-Ranking: 1. Spieltag.

Alle 16 EM-Teilnehmer hatten jetzt einmal Gelegenheit, sich über 90 Minuten zu präsentieren. Ich hatte zum Glück genug Zeit, mir jede Mannschaft mindestens 45 Minuten lang anzugucken. Anhand dieser ersten ausführlichen Eindrücke hier nun das erste Sofa-Experten-EM-Team-Ranking.

Wäre die EM an diesem Punkt vorbei, sähe die Team-Reihenfolge meiner Meinung nach so aus:

1. Niederlande
2. Spanien
3. Portugal
4. Deutschland
5. Schweden
6. Frankreich
7. Kroatien
8. Italien
9. Schweiz
10. Russland
11. Tschechien
12. Österreich
13. Rumänien
14. Polen
15. Griechenland
16. Türkei

Ist natürlich ein rein subjetives Ranking und nur auf einem Spiel pro Team basierend. Mal gucken, wie sich die Eindrücke in den kommenden Tagen entwickeln.

Und wie sieht's bei euch aus? Zustimmung? Anderer Meinung? Wie seht ihr das? Leser-Rankings in den Kommentaren werden gern genommen!

Unterdurchschnittliche EM.

Da soll er eigentlich rein, der Ball - allzu oft hat das bei der laufenden Europameisterschaft allerdings noch nicht geklappt. Nach sechs Spielen und so statistisch gesehen etwa einem Fünftel der Euro 2008 zeichnet sich langsam und leicht bedrohlich ab, was viele Fußballfachleute vor dem Tunier vermutet, um nicht zu sagen befürchtet, hatten: Es wird wenig Treffer geben bei der EM, viele Teams werden die Defensivarbeit ganz oben auf die Prioritätenliste packen.

Ich war etwas - und mit etwas meine ich viel - optimistischer und hatte in einem Tippspiel, wo nach der Gesamtzahl der Tore gefragt wurde, 97 prophezeit. Okay, vielleicht ein wenig tollkühn bei einer Zahl von 31 Spielen, aber schön wär's gewesen.

Nun sind in den ersten sechs Partien der Euro gerade einmal neun Tore gefallen, macht im Schnitt 1,5 Treffer pro Spiel. Es mag noch zu früh für eine aussagekräftige Hochrechnung sein, ich wage es dennoch. Nach jetzigem Stand werden es nach dem Finale aufgerundet 47 Tore bei der gesamten EM sein.

Hoffentlich stimmt diese Zahl hinten und vorne nicht, sonst wäre es die mit Abstand torärmste EM-Endrunde, seitdem mit 16 Mannschaften gespielt wird. Woher ich das so genau weiß? Ich habe mir die Mühe gemacht, die Turniere `96, `00 und `04 durchzugehen und meinen Taschenrechner rauszukramen.

1996 gab's zum ersten Mal vier Gruppen à vier Nationen. Damals in England war in den Tornetzen ähnlich wenig los wie in diesem Sommer bislang, lediglich 62 Mal (genau zwei Tore pro Spiel, Elfmeterschießen wie bei anderen Jahren nicht miteinbezogen) trafen die Teams ins Schwarze.

Verglichen damit gab's im Jahr 2000 in den Niederlanden und Belgien eine wahre Torflut. 84 Mal konnten die Reporter den Torschrei auspacken, das sind starke 2,7 Treffer pro Partie.

2004 sah Portugal dann wieder etwas weniger Treffer: 77 Tore gab's bei der dortigen EM, pro 90 bzw. 120 Minuten zappelte die Pille 2,5 Mal im Netz.

Sollten wir nun einen richtig schlechten Minusrekord erleben? Und das, obwohl sogar die Italiener ihren Defensivsafe aufschließen und sich gleich drei Stück einschenken lassen, was ihnen sonst fürs ganze Turnier reicht? Ich hoffe, dieser Blogeintrag rüttelt die Aktiven bei der EM ein wenig auf und hilft so ein bisschen mit, den Zuschauern öfter das zu geben, weshalb sie im Stadion oder vor dem Fernseher sitzen. Auf mehr Null-zu-Nulls der Marke Rumänien gegen Frankreich hab ich zumindest keinen Bock.

Morgen voraussichtlich an dieser Stelle: Das erste EM-Team-Ranking, nachdem sich alle Mannschaften einmal präsentieren konnten.

Sonntag, Juni 08, 2008

Rote Karte für "Nachgetreten!".

Gut, ich hatte ja gestern um 23.30 Uhr erst rund sieben Stunden EM-Berichterstattung im ZDF hinter mir. Meine nicht gerade fußballbegeisterte bessere Hälfte war auch schon im Bett, also konnte ich mir doch in Ruhe noch ein bisschen was Lustiges über Fußball reinziehen, dachte ich. Theoretisch eine gute Idee, in der Praxis aber völlig daneben gegangen.

Ich wählte nämlich leider die Sendung "Nachgetreten!", die anscheinend jeden Abend, wenn das Zweite Deutsche Fernsehen das EM-Zepter in der Hand hält (also auch heute), ausgestrahlt werden soll. Sinn und Zweck des Ganzen laut ZDF-Homepage: "Teamchef Ingolf Lück und seine bunte Truppe lassen das Geschehen auf dem Rasen noch einmal Revue passieren und sparen dabei nicht mit verbalen Blutgrätschen." Und diese Blutgrätschen, die tun richtig weh und lassen den Zuschauer sich vor Schmerz auf dem heimischen Sofa wälzen. Glaubt mir, ich hab's am eigenen Leib erlebt!

Was gegen diese Sendung spricht, die anscheinend schon vor zwei Jahren während der WM lief (in Australien zum Glück nicht)? Furchtbare Zoten und Kalauer am laufenden Band (habe mir vor Schreck leider keine Notizen gemacht), Geschmacklosigkeiten unter der Gürtellinie (böse Witzchen über Alex Freis schlimme Verletzung) und Guido Cantz, der noch ein bisschen weniger lustig ist als das 147. Lesen der kleinen Witzesammlung mit Jürgen-von-der-Lippe-Krachern aus den Achtzigern, die bei meinen Schwiegereltern auf der Gästetoilette liegt.

45 Minuten dauerte dieser Schmarrn nach offensichtlichem "7 Tage, 7 Köpfe"-Vorbild, in dem Mike Krüger, den ich als Komiker sonst eigentlich ganz okay finde, dann noch ein schlimmes Lied so in die Richtung "Schiri, ich weiß nicht, wo mein Auto steht" unterlegt mit billigen Keyboard-Beats singen durfte - für mich war nach 25 Minuten Schluss.

Zufällig habe ich da zu Sat1 geschaltet, wo gerade eine uralte Ausgabe der Wochenshow lief. Und sieh an, Ingolf Lück war ja tatsächlich mal lustig. Hätte ich angesichts "Nachgetreten!" beinahe vergessen.

Wenn heute also die Nachberichte zu Deutschland - Polen vorbei sind, schaltet entweder um, geht ins Bett oder guckt noch eine Dreiviertelstunde der Waschmaschine beim Schleudern zu - macht beides deutlich mehr Spaß als dieses Gruselkabinett am späten Abend.

Vorhin noch gefunden: Ähnlich begeistert über "Nachgetreten!" zeigte sich ein Kollege schon anno 2006.

Samstag, Juni 07, 2008

Liveblog: DFB-Auswahl gegen Reprezentacija.


Keine acht Stunden mehr, dann geht die Euro 2008 los. Ich bin schon heiß wie Frittenfett - dieses phrasenschweinwürdige Bild sei mir in meiner Euphorie bitte verziehen - und damit sicher nicht gänzlich alleine, könnte ich mir vorstellen.

Besonders freue ich mich natürlich auf die Auftritte "unserer" schwarz-weißen Jungs, die aus den nicht so prallen, letzten Testspielen hoffentlich die richtigen Lehren gezogen haben und morgen gegen Polen richtig auf die Kacke hauen werden.

Wer aus welchen Gründen auch immer keine Chance hat, das Spiel im Fernsehen zu sehen, oder wem das Betrachten der Flimmerkiste allein nicht reicht, dem empfehle ich an dieser Stelle diese Umleitung auf die Seiten des einzig wahren Bremer Stadtmagazins bremen4u.

Dort blogge ich ab circa 20.15 Uhr live die Vorberichte und natürlich das Spiel Deutschland gegen Polen mit und wie immer gibt's natürlich für alle Leser die Möglichkeit, per Kommentar aktiv ins Bloggeschehen einzugreifen.

Alsdann, Pulle Bier und Schale mit Chips auf den Tisch, Fernsehantenne gen Wörthersee ausgerichtet, Laptop auf den Schoss und schon kann der Gipfelsturm starten. Juhu, jetzt sind's schon wieder vier Minuten weniger!

Wer übrigens kurz vor EM-Start noch schnell herausfinden möchte, welche der 16 teilnehmenden Mannschaften am ehesten seine/ihre Fußballphilosophie verkörpert, der sollte einen Abstecher zum Team-o-maten der Neuen Zürcher Zeitung unternehmen. Ist mit viel Liebe zum Detail gebastelt und bietet für den einen oder die andere vielleicht eine Überraschung.

Freitag, Juni 06, 2008

EM-Spieler im Fokus. Teil 3: Das Mittelfeld

Morgen beginnt die EM 2008 in Österreich, übermorgen greifen die deutschen Mannen um Michael Ballack in das Turnergeschehen ein. Ballack ist das Herz der Mannschaft, und damit auch das des Mittelfelds, um das es an dieser Stelle gehen soll.

Torsten Frings

Frings hat eine wirklich wechselhafte Saison hinter sich. Nachdem er in der Vorsaison zu den Gestaltern der Bremer Mannschaft gehörte und bei den Fans nach seiner Absage an Juventus Turin endgültig eine gewisse Unantastbarkeit erlangte, lief es 2007-2008 nicht so gut. Nicht nur ihm ist die schwere Knieverletzung mit diversen Rückschlägen in der Reha in Erinnerung geblieben. Bremer Mannschaft und Fans haben Frings' Elan und Siegeswillen an manchen Stellen vermisst. Aber zum Ende der Saison ist er ja wieder fit geworden und hat sich stetig verbessert. Dennoch: Wo sein Leistungsniveau momentan liegt, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist der Wille da, endlich einen internationalen Titel zu holen. In einem Interview im Tagesspiegel hat er kürzlich darauf hingewiesen dass man mit ihm während der WM 2006 Italien im Halbfinale geschlagen hätte. Leider war er ja gesperrt aufgrund der Tumulte nach dem Viertelfinale gegen Argentinien. Der Mann hat also auch noch eine Rechnung mit den großen Turnieren offen.





Michael Ballack

Bei Michael Ballack ist es ähnlich. Auch er hatte nach einer sehr langwierigen Verletzung (am Knöchel) er spät in der Meisterschaft in England die Möglichkeit, in das Spielgeschehen einzugreifen. Da war aber schon einer seiner größten Fürsprecher im Team, Trainer Mourinho, von Millionär Abramowitsch geschasst worden, die Mannschaft lag weit hinter Manchester United in der Meisterschaft zurück. Aber Ballack sagte früh: »Wir kommen da noch ran« und war davon überzeugt, sich durchzusetzen. Und er behielt recht - Die Entscheidung in der Meisterschaft wurde noch sehr knapp, er trumpfte im Mittelfeld stark auf und ließ alle Kritiker verstummen. Dennoch reichte es nicht zum Titel, dafür war die Saison schon zu fortgeschritten und Manchester zu abgezockt.
Es schien dann aber lange Zeit zumindest im Champions-League Finale so, als würde sich die Spielzeit für Ballack mit seinem größten Triumph zu einem positiven Ende wenden. Aber im Elfmeterschießen rutschte sein Teamkollege John Terry vom FC Chelsea mit dem Standbein weg - Manchester holte auch diesen Titel. Ballack kennt das. Mit Leverkusen verlor er bereits ein CL Finale, im gleichen Jahr auch Meisterschaft und DFB Pokalfinale kurz vor Schluss. Bei der folgenden WM war er im Finale 2002 gelbgesperrt zum Zusehen verdammt. 2007 wäre er echt mal dran gewesen. Ballack war bester Spieler des Finales, unbestritten. Er steht dennoch mit leeren Händen da. Ballack bleibt einer der großen Unvollendeten. Vielleicht kann er dieses Bild bei der EM wieder geraderücken.



und hier ein ziemlich ausführliches Video mit erstklassiger Musik



Thomas Hitzlsperger

Hitzlsperger, sonst auch eher ein Sportler mit der Ausdauer eines Duracell-Hasen, musste in dieser Post-Meisterschaftssaison mit dem VfB Stuttgart auch mit Verletzungen kämpfen. Als es dann bei ihm wieder lief, stabilisierte sich auch der gesamte VfB. Dennoch: Die Form und Konstanz der Vorsaison konnte »The Hammer« dieses Jahr nicht erreichen. Es ist durchaus denkbar, dass er die durchwachsene Saison im harmonischen Kreis der Nationalmannschaft abhaken kann, um dann bei der EM auf einige Einsätze zu kommen. Für ihn bleibt nur zu hoffen, dass er nicht wieder als Linksverteidiger wie im Testspiel gegen Weißrussland ran muss. Das ist nicht seine Position.

Hier mein Libelingstor von »The Hammer«

In folendem Video wechseln sich Michael Tarnat und Hitzlsperger mit diversen Hammerschüssen ab - leider ist die Musik nicht zu ertragen, also ausmachen.


Simon Rolfes

Wir Bremer Fans sind ja ein wenig traurig, dass Rolfes sein Potenzial in seiner Bremer Zeit nicht so umsetzen konnte wie in den letzten Spielzeiten in Leverkusen. Hier spielt er auf der Sechser-Position, ist aber auch noch deutlich torgefährlicher als Torsten Frings. Da die Rollen im Mittelfeld in der Nationalelf im Mittelfeld auf seiner Position jedoch klar vergeben sind, wird er höchstwahrscheinlich nicht zu langen Einsatzzeiten kommen. Wenn er seine Entwicklung konsequent fortsetzt, wird Fussball-Deutschland auch an ihm noch eine Menge Freude haben.



Tim Borowski

Boro hatte Schnupfen. Oder sogar Grippe? AUf jeden Fall konnte er in der Vorbereitung des DFB auf Mallorca keine Akzente setzen. Dennoch durfte er bleiben, obwohl er im Mittelteil der Saison sowohl bei Werder wie auch in der Nationalelf umstritten war. Nach einer Verletzung kam er nicht so in die Spiele wie früher, mir kam er staksig und nicht engagiert vor. Aber er hat sich wieder rangekämpft und aalen Unkenrufen zum Trotz auch als kommender Bayern-Spieler alles dafür gegeben, Werder im Meisterschaftsrennen, bzw. auf Champions League Kurs zu halten. Sowieso: Die Art, wie sich das Bremer Eigengewächs verabschiedete, hatte Stil. Er hat den Wechsel früh bekannt gegeben (anders als ein gewisser Herr M.K.) und sich wie erwähnt richtig reingehauen. Das wird das Bremer Publikum nicht vergessen. Dass er im DFB-Team bleibt, zeigt die Wertschätzung, die ihm das Trainingsteam entgegenbringt. Ich bin mal gespannt, inwiefern Boro das in Einsatzzeiten umgemünzt bekommt und auf welcher Position wir ihn sehen werden.

Hier noch sein schönes Abschiedstor gegen Hannover


Bastian Schweinsteiger

Er wurde 2006 hochgelobt. Klinsmann mochte den frechen, unverbrauchten Jungspund mit den verrückten Ideen, Tempodribblings, genauen Pässen und dem starken Schuss. Deutschland liebte ihn in Kombination mit Lukas Podolski, die beiden waren Sympathieträger Nummer eins. Spätestens in dieser Saison war der Glanz der WM im eigenen Land verblasst, die beiden wunderschönen Tore im Spiel um Platz drei bei der WM gegen Portugal vergessen. Uli Hoeneß nahm den Spieler weniger unter seine schützenden Fittiche, er kritisierte, er forderte. Nun kann man nicht sagen, das Schweini den Nachweis seiner Klasse schuldig blieb, aber überzeugen konnte er nicht. Er hat seine Unbekümmertheit verloren, das wird auch in einem klasse Interview/Bericht im Zeit Magazin sehr deutlich. Aber deutlich wird halt auch, dass es nicht einfach ist, auf dem Boden zu bleiben und seine Leistungen abzurufen, wenn man unendlich viele Schulterklopfer hat, die von einem auf den anderen Tag auch wieder weg sind und man mit seinen Problemen alleine dasteht. Und ob eine Sozialisation in einem Fußballinternat so förderlich für eine bodenständige Persönlichkeitsentwicklung ist, sei mal dahingestellt.
Wie dem auch sei, Schweinsteiger scheint sich zum Ende der Saison wieder stabilisiert zu haben, auch wenn er bei Löw angeblich nicht mehr so geschätzt wird wie vielleicht 2006. Die Nicht-Aufstellung in dem letzten inoffiziellen Test gegen eine Tessin (Schweiz) - Auswahl soll da ja so eine Art Warnsignal gewesen sein. Wir werden sehen, ob er genug Biss hat, zu einem ganz großen zu werden.



David Odonkor

David Odonkor wird ja gerne auf seine Sprinterqualitäten reduziert. Wie ich finde, zurecht. Aber er hat sich immerhin getraut, früh den Schritt aus der Bundesliga in eine andere internationale Spielklasse - die spanische Primera Division - zu machen. Und dort hat er sich in seinem zweiten Jahr richtig gut durchgesetzt. Betis Sevilla, in den letzten Jahren auch eher ein trauriges Negativ der eigenen Erwartungen, hat sich zumindest im letzten Saisondrittel wieder ganz gut verkauft, Odonkor gehörte zum Stamm. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass ihm die Neulinge des Löw'schen Casting-Konzeptes am nähesten gekommen sind. Das er sich in dieser weiteren Drucksituation empfehlen konnte, spricht für ihn. Ich freue mich auf seine Einwechslungen, wenn er dann nochmal in vermeintlich statische Spiele ein wenig Feuer bringt.





Piotr Trochowski

Was soll ich sagen, der Mann ist schon irgendwie eine Bombe: Hammerschuss, Spielverständnis, Ballsicherheit, Schnelligkeit und auch noch irgendwie sympatisch. Aber: Es bleibt nicht viel zählbares zurück. In Hamburg hatte er unter Stevens immer mal wieder Spiele, konnte sich aber nicht etablieren. Ich habe immer den Eindruck, der spielt ein wenig gehemmt. Vielleicht löst sich ja mal bei ihm der Knoten. Ich denke, dann kann er eine Menge positives bewegen. Ob er aber als Impulsgeber nach einer Einwechslung in einem großen Turnier funktionieren kann, bezweifle ich an dieser Stelle.



Hier noch einmal das ganze Mittelfeld in einem Filmchen zusammengefasst:

Lesetipp: "Der Spielmacher - EM-Sonderausgabe"

Vor gut zwei Monaten hatte ich schon einmal auf eine Ausgabe des kostenlosen PDF-Magazins "Der Spielmacher" hingewiesen. Für alle, die es trotzdem noch nicht wissen: "Der Spielmacher" ist eine Kooperation der Betreiber der vier Blogs Abenteuer Fußball, Der Kommentator, Medien-Sport-Politik und Passivsportler.

Pünktlich zum Start der EM ist nun ein neues "Heft" erschienen, diesmal mit dem hoffentlich nicht ganz ernst gemeinen Untertitel "Das Alpenmärchen".Wer eine Alternative zu den gängigen EM-Sonderheften sucht, wird hier natürlich nicht ganz so viele Infos finden wie z.B. im Kicker, zur Einstimmung auf das Fußballereignis des Jahres ist "Der Spielmacher" aber prima geeignet.

Herzstück des PDF-Files ist der Blick auf potentielle Schlüsselspieler jedes einzelnen Teams, der den Bloggern richtig gut und lesenswert gelungen ist. Dazu kommen noch einige andere Texte, aus denen besonders ein Ausblick auf die Fernsehberichterstattung über die Euro im deutschen Fernsehen heraussticht.

Zu bekommen ist die EM-Sonderausgabe des Spielmachers hier.

Mittwoch, Juni 04, 2008

EM-Spieler im Fokus. Teil 2: Die Abwehr

Was man anfängt, das soll man auch zu Ende bringen. Und nachdem ich meine Sicht auf die Torwartfrage bereits zum Besten gegeben habe, folgt hier nun konsequenterweise der nächste Mannschaftsteil: Die Abwehr.

Philipp Lahm

Der kleine Bayer hat in den letzten Monaten nicht so überzeugend gespielt wie vor, während und auch noch einen gewissen Zeitraum nach der WM 2006 in Deutschland. Er hat damals mit einem bandagierten Arm das erste Tor des Turniers für Deutschland geschossen und damit die Lawine irgendwie losgetreten. Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch daran erinnern, dass Lahm immer dafür gelobt wurde, so gut wie nie zu grätschen, da er ein unheimlich gutes Stellungsspiel hat und außerdem noch sehr flink auf dem Flügel unterwegs ist. Nach einer Verletzung im letzten Jahr hat er ein wenig gebraucht, wieder richtig in Schwung zu kommen. in vielen Uefa-Cup-Spielen habe ich ihn dann auch vermehrt grätschen sehen, ebenso in der Bundesliga. Spricht eigentlich dafür, dass er noch nicht so ganz der alte ist. Aber dennoch ein unheimlich guter Mann, das dürfte auch anderen Vereinen international nicht entgangen sein. So vermeldete das Fachblatt Kicker bereits eine Einigung mit Barca - mittlerweile jedoch sind die Äußerungen von Lahm eher so zu verstehen, dass er sich gut mit Klinsmann unterhalten hat und mal die kommende Saison abwartet oder gar verlängert. Laut Bayern-Webseite läuft sein Vertrag jedoch nur noch bis 2009. Er hat wohl einen Stammplatz in der Abwehr sicher.

Das Video ist ein wenig grenzwertig, das WM-Tor ungefähr in der Mitte.



Per Mertesacker

Ja, der gute Per. Zu dem muss ich hier nicht viel sagen, er selbst ist ja auch nicht so der Mann der vielen Worte. Auch seine Saison war bei Werder gut, aber dennoch von manchen Leistungsschwankungen geprägt. Ich denke, bei einem kompakten Turnier von der Bedeutung einer EM ist das eine ganz andere Sache, daher wird er da bestimmt überzeugen. Hat mit 24 Jahren auch schon 24 Länderspiele gemacht - darauf lässt sich die Abwehr schon aufbauen.

Zu den Videos: Es ist schwieriger Videos zu den Abwehrspielern zu finden als zu Torhütern und Offensiv-Spielern...





Christoph Metzelder

Der gute Mann spielt bei Real Madrid. Zumindest hat er dort einen Vertrag, gespielt hat er in der Saison nicht so häufig. Dennoch: Bei der WM 2006 war er auch fit und hat einen Weltklasse-Verteidiger abgegeben, trotz vorangegangener Verletzung und ebenfalls fehlender Spielpraxis. Dennoch fand ich den Eindruck, den er in den beiden zurückliegenden Testspielen gemacht hat desaströs. Ich finde, der gute Mann ist auch einfach zu langsam für die Spieler, die ihm in der Innenverteidigung international begegnen werden. Dennoch wird Löw wohl an ihm festhalten. Sollte er aber seine Leistung nicht bringen, tippe ich darauf, dass Arne Friedrich ihn ersetzen wird.

Tja, hier gab es kein vernünftiges Video, aber dieses Stück, leider auf Spanisch, in dem alle Deutschen auftauchen, die mal bei Real waren - über Breitner, Schuster und Illgner bis eben auch Metze.



Arne Friedrich

Momentan nicht so richtig im Team, aber dennoch mit guten Einsatzchancen. Siehe vorangegangenen Spieler. Leider spielt Friedrich bei einem unheimlich schlechten und unattraktiven Verein, woanders könnte er bestimmt mehr als Kopf der Mannschaft glänzen - Und das ist er bei Hertha wohl in der Bundesliga - wenn auch manchmal noch zu leise und zurückhaltend. Wie gesagt, ich denke, er wird Metzelder ablösen.

Auach hier nicht so die tollen Videos - aber eine Brotaufstrich-Werbung, die Arnes Rolle als verkannter Ballvirtuose aufnimmt...



Heiko Westermann

Der Schalker Abwehrrecke gehört noch nicht lange zum DFB-Aufgebot, ist auch bislang mehr Ergänzungsspieler. Vielleicht spielt er aber eine größere Rolle, sollte Metzelder sich nicht stabilisieren. Videos? Fehlanzeige.

Marcell Jansen

Auch Marcell Jansen hat in dieser Saison so seine Schwierigkeiten gehabt - bedingt durch Verletzungen, ,die den schnellen Außenverteidiger zurückgeworfen haben. Ist er fit, dann isst er auch in der Abwehr dabei. Auch zu Jansen gab es keine wirklichen Fußballvideos, sondern nur liebesbekundende animierte Fotostrecken von meist weiblichen Fans. Die Ausnahmem bildet ein Film aus der Zeit bei M'Gladbach.



Clemens Fritz

Zum Abschluss der Abwehrspieler: Clemens Fritz. Der gute Mann wird ja allen Orten sehr geschätzt. Aber auch er hat in dieser Saison nicht bei Werder restlos überzeugen können. Natürlich lag dies auch an zahlreichen Verletzungen. Aber das ist schon immer sein Problem gewesen: Er ist ein wenig anfällig. Er laboriert of an solchen Verletzungen wie Bauchmuskelzerrung o.ä. rum - Vielleicht verkrampft er ab und an vor dem Spiegel. Aber wenn er fit ist, kann er mit seinem dynamischen Antritt einiges bewegen. Leider hat das Flügelspiel Werders trotz seiner Aufstellung in der zurückliegenden Saison nicht so funktioniert, wie es eigentlich sollte. Und nach hinter ist er manchmal etwas unkonzentriert. Aber in ihm steckt eine Menge. Warten wir's ab.

Hier sein Tor beim 4:0 über Zypern in der EM-Qualifikation.


Und sein Tor über San Marino. Er trifft also immer die sogenannten »Big Points« ;-)

So, und wer die Abwehr zusammengefasst sehen möchte, schaue sich bitte das Video von Sport1 an:

Goleos wahrer Nachfolger.

Die hier? Nein, der hier! Wer sich aufregen will, immer dran denken: Satire darf (fast) alles.

Dienstag, Juni 03, 2008

Die deutschen EM-Stimmen.

Die beste Nachricht zuerst:Zum Glück bleiben uns allen bei der Europameisterschaft Übertragungen von RTL wie bei der WM vor zwei Jahren erspart.

ARD und ZDF sitzen allein am Ruder, übertragen alle 31 Spiele. Die fünf Kommentatoren, die dazu auserkoren wurden, sämtliche Spiele mit ihren Expertisen zu versehen, sind auf Seiten des Ersten Deutschen Fernsehens Steffen Simon und Tom Bartels, beim ZDF Béla Réthy, Thomas Wark und Wolf-Dieter Poschmann.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mit diesem Kader nur bedingt glücklich bin. Wolf-Dieter Poschmman ist beim Fußball zuweilen eine Zumutung, weil er oft einfach rüberkommt, als hätte er weniger Ahnung als der Durchschnittsfan mit Pulle Bier und Chipstüte zuhause auf dem Sofa.

Béla Réthy höre ich mir ganz gerne an, Thomas Wark dafür wieder nicht. Ich erinnere mich zum Beispiel, wie er das CL-Quali-Spiel Zagreb gegen Werder im vergangenen August kommentierte und mir tierisch auf den Keks ging. Warum, kann ich leider nicht sagen, und entschuldige mich für derart destruktive Kritik, sehe ich aber nun mal so.

Die ARD-Männer sind okay. Tom Bartels, dem die FAZ heute ein langes Portrait widmet, ist ein richtig Guter und gefällt mir in der Sportschau immer mit am Besten. Steffen Simon geht auch, vor allem, weil er im Gegensatz zu vielen Kollegen gerne mal den Mund hält und die Zuschauer in Ruhe das Spiel gucken lässt. An seiner Stelle hätte ich mir zwar eher Gerd Gottlob gewünscht, aber Simon passt schon. Immerhin bleibt uns Fernsehguckern bei diesem Turnier der sonst omnipräsente Beckmann erspart.

Montag, Juni 02, 2008

Spielzeug für Statistikfreaks.

Jedes einzelne Spiel der EM wird im Fernsehen und auf geschätzten 17 Millionen Internetseiten genauestens analysiert und geradezu obduziert werden. Es soll aber Leute geben, denen selbst diese Flut von Informationen, die man schon bekommt, ohne sich groß einzulesen, vorne und hinten nicht reicht.

Für all die bietet die Firma Castrol, sonst eher für Schmierstoffe als für ausgeprägtes Fußballwissen bekannt, einen gelungenen Service an. Per "Castrol Performance Index" kann man sich während der EM-Spiele jederzeit auf dem Laufenden halten, was zurückgelegte Wegstrecke, bevorzugte Aufenthaltsorte auf dem Spielfeld et cetera jedes einzelnen Spielers angeht. Ballbesitz, Torschüsse und den anderen üblichen Kram wertet das System natürlich ebenfalls aus.

Unterm Strich bekommt man auf der Seite viel mehr Infos als man braucht, hatte aber noch nie so viele Möglichkeiten, seine Forderungen, warum dieser und Spieler auflaufen und jener Kollege draußen bleiben sollte, zu untermauern als jemals zuvor.

Wer den "Castrol Performance Index" mal testen will, kann sich hier als Beispiel die Statistiken des Freundschaftsspiels Schweiz gegen Deutschland angucken.

Sonntag, Juni 01, 2008

Auf dem Trockenen.

Nicht viel los an diesem Sonntag, über das sich zu bloggen lohnen würde, aber eine nette Geschichte ist dann vorhin doch aufgetaucht.

In Budapest findet momentan die Weltmeisterschaft im modernen Fünfkampf statt. Auf Anhieb hätte ich nicht sagen können, was man dabei als Athlet alles können muss, aber ich habe mich natürlich schlau gemacht: Ein moderner Fünfkämpfer sollte möglichst gut mit dem Degen fechten, mit der Pistole schießen, schwimmen, springreiten und crosslaufen können. Da ham' wa doch mal wieder was gelernt!

Aber zurück nach Budapest. Im dortigen Ferenc-Puskas-Stadion sollte heute mittag eigentlich geschwommen werden, aber plötzlich war kein Wasser mehr da. Das kühle Nass hatte sich durch ein Leck im Schwimmbecken davon gemacht und nur noch eine ziemlich große, leere Wanne zurück gelassen. Daraufhin wurde Disziplin Nummer vier, das Reiten, vorgezogen. Außerdem konnte die Budapester Feuerwehr ihren freien Sonntag vergessen - sie musste zusehen, dass wieder Wasser ins Becken kam.

Es ist doch immer wieder schön, wenn in der ach so durchorganisierten und fast perfekten Welt der Großveranstaltungen noch solche charmanten Pannen passieren. Danke, Budapest!

Freitag, Mai 30, 2008

Alles Gute nachträglich.

Mit einem Tag Verspätung möchten wir an dieser Stelle dem Blogger-Kollegen Felix zum ersten Jahrestag der Gründung seiner Seite Medien-Sport-Politik gratulieren.

Wer äußerst Fundiertes über die englische Premier League, die NBA und ganz viel anderen Sport lesen will, ist bei Felix seit nunmehr 367 Tagen (2008 ist ein Schaltjahr!) und sicher auch in Zukunft ganz hervorragend aufgehoben. Und auch mit Politik kennt der Mann sich aus. Soll noch mal einer sagen, das Sport-Junkies nix als Bälle im Kopf haben.

Donnerstag, Mai 29, 2008

Lacrosse im Sofa-Experten-Test.

Ich werde heute todesmutig ein Probetraining beim Lacrosse-Team des ATS Buntentor absolvieren. Mehr dazu morgen, falls ich dann schreiben kann. Mir wurde nämlich empfohlen, einen Tiefschutz mitzubringen. Den konnte ich aber auf die Schnelle nicht mehr organisieren. Wenn das mal gut geht ...

Update von Freitag, 30. Mai:
Ich hab's gut überstanden - auch ohne Tiefschutz - und erfreue mich nach meinem ersten Lacrosse-Training bei den Likkedeeler Bremen bester Gesundheit, wenn man mal von Muskelkater hier und da und eigentlich überall absieht. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Ich finde Lacrosse richtig geil und werde wohl wieder hingehen.

Dabei fing alles erst mal nicht so gut an. Ich musste mich in eine regelrechte Rüstung bestehend aus Brust-/Rückenpanzer, Ellbogen-/Armschützern, dicken Handschuhen und einem noch fetteren Helm mit Gesichtsschutzgitter zwängen. Ich kam mir damit anfangs vor wie He-Man, nach gut zehn Minuten laufen in den schweren Klamotten bei 25 Grad dann eher wie Skeletor.

Während die anderen Spieler nach dem Warmmachen gleich richtig Passen üben durften, bekam ich von Coach Andreas Kuschel (der Nachname passt bestens zu einem Lacrosse-Spieler, finde ich) eine kurze Einführung in Schlägerhaltung sowie Wurf- und Fangtechniken. Ist nicht ganz einfach, das Leben eines Lacrossers (gibt es das Wort überhaupt?), das sag' ich euch. Habe mich aber wohl nicht allzu blöd angestellt, sonst hätte ich bestimmt nicht gleich danach bei Zweikampfübungen mitmachen dürfen.

Und jetzt wurde es erst richtig gut. Beim Lacrosse darf man nämlich als Verteidiger ziemlich brutal mit seinen Gegenspielern umspringen. Bodychecks, mit dem Stick auf die Finger und den Unterarm hauen, rigider Ellbogeneinsatz - da geht einiges. Also gleich mal richtig reingewuppt in die "Routiniers" und Respekt verschafft. Gut, an mir vorbeigekommen sind die meistens trotzdem, aber nicht ohne ein paar Auffahrunfälle ...

Und dann war zum Glück auch bald Schluss. Ich will hier jetzt gar nicht mit diesem "Fußballer sind Weicheier"-Quatsch anfangen, weil ich ja auch selbst kicke und es besser weiß, aber Lacrosse ist doch ein anderer Schnack. So rundum zerbeult und fertig war ich echt ewig nicht, da kommt kein Fußballtraining mit. Gutes Gefühl, das besorg ich mir jetzt öfter!

Wen's interessiert, welchem Verein ich mich da zum freundschaftlichen und sportlichen Verprügeln mit Stockeinsatz angeschlossen habe, kann einfach hier klicken.

Mittwoch, Mai 28, 2008

Irgendwie gemein.

Patrick Helmes, Marko Marin und Jermaine Jones haben sich nach ihren guten Leistungen im Trainingslager (laut Medienberichten) und im Spiel gegen Weißrussland gestern (selber gesehen) bestimmt große Hoffnungen gemacht, heute nicht aus dem EM-Kader zu fliegen. Erwischt hat es sie jetzt aber doch.

Ich frage mich nun ein bisschen, was die Nominierung dreier Spieler mehr letztendlich eigentlich sollte. Wäre es wirklich rein nach Leistung gegangen, hätte zum Beispiel Tim Borowski rausfliegen müssen. Er konnte sich schließlich wegen einer Grippe überhaupt nicht präsentieren.

Nun sieht es so aus, als hätten die Entscheidung von Anfang an festgestanden und die Spieler eh nichts daran ändern können. Gefällt mir nicht besonders.

Montag, Mai 26, 2008

Des Werderaners neue Kleider.

Früher als gedacht, nämlich schon an diesem Donnerstag, werden die neuen Werder-Outfits für die kommenden Saison vorgestellt.

Werder hat dazu eine große Aktion geplant, die übermorgen von 14 bis 16 Uhr vor dem Bahnhof über die Bühne gehen soll.

"Drei nette Kappa-Mädchen" sollen die 100 ersten Trikots unters Volk bringen - wer eins haben will, muss aber bereit sein, irgendein anderes T-Shirt, Hemd oder Trikot dagegen einzutauschen. Könnte mir vorstellen, dass es da fast zu Mord und Totschlag kommen wird.

Laut einem Eintrag im offiziellen Werder-Fan-Forum sollen die künftigen Heimhemden und Eventjerseys in etwa so aussehen. Der Verbreiter dieser Grafiken beruft sich auf Aussagen von Augenzeugen, die bei der hochoffiziellen Kappa-Präsentation dabei gewesen sein wollen.

Sonntag, Mai 25, 2008

Nimm II.

Gestern war der erste Samstag in diesem Sommer ohne Bundesligafußball und schon wurde es langweilig. Bis zur EM dauert es noch bis zum 7. Juni, also muss das kommende Wochenende irgendwie überbrückt werden. So ganz ohne gepflegtes Gekicke geht es ja nun wirklich nicht.

Mein Tipp für alle in Bremen und umzu wohnhaften Fußballverrückten mit drohenden Entzugserscheinungen ist ein Besuch auf Platz 11 im Schatten des Weserstadions am Samstag. Dort beendet Werder II oder U23, wie es ja offiziell heißt, eine sehr gute Saison hoffentlich mit einem Sieg gegen den SC Verl. Ist immer schön da. Es gibt meistens guten Fußball zu sehen und ein bisschen Werder-Promi-Watching ist im Preis inbegriffen.

Geht mal ruhig alle hin, Thomas Wolters Jungs haben zum Saisonfinale richtig viele Zuschauer verdient. Vertreter der Sofa-Experten werden aller Voraussicht nach auch am Start sein und den ganz souveränen Erhalt der dritten Klasse beklatschen. Ach ja, Anpfiff ist um 13.30 und nicht wie gewohnt um 14 Uhr.

Freitag, Mai 23, 2008

Bremer EM-Chancen.

Acht Werder-Profis werden bei der EM für fünf verschiedene Nationalmannschaften spielen. Hier auf dem Experten-Sofa nehmen wir gut zwei Wochen vor dem ersten Anpfiff der Euro 2008 ihre Aussichten - sowohl die ihrer Teams als auch ihre persönlichen - etwas genauer unter die Lupe.

Torsten Frings

Nach langer Verletzungspause kam der Fringser zum Saisonende wieder in Topform. Sollte sich wie schon bei der WM vor zwei Jahren als nicht wegzudenkende Stütze des deutschen Teams erweisen und seinen Stammplatz im defensiven Mittelfeld auf jeden Fall sicher haben. Eventuell die letzte Chance für ihn, mit der Nationalelf einen großen Titel zu gewinnen. Könnte durchaus sein, dass er sie zusammen mit seinen Teamkollegen nutzt.

Per Mertesacker
Hat seinen Stammplatz in der Innenverteidigung sicher. Ihm dürfte auch ganz klar die Rolle des Defensivchefs zufallen, da Christoph Metzelder lange verletzt war und ihm sicher noch die letzte Spielpraxis fehlt. Wird eine starke EM spielen, nachdem er sich in den letzten Bundesligaspielen zum Glück wieder seiner Bestform angenähert hat - vorher waren doch einige Patzer und weniger gute Spiele von ihm zu verzeichnen.

Tim Borowski
Durch den Ausfall Bernd Schneiders sind seine Chancen, bei der Euro zum Stammpersonal zu gehören, kräftig gestiegen. Hat sich darüber hinaus mit ganz starken Auftritten zum Werder-Abschied für einen Startplatz im Mittelfeld beworben. Könnte eine noch größere Rolle spielen als bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren.

Clemens Fritz
Eigentlich ein aussichtsreicher Kandidat für die rechte Außenbahn, muss sich aber mit Arne Friedrich um diesen Platz streiten. Pech für den Bremer, dass der Herthaner bei Löw und Co. wohl einen etwas dickeren Stein im Brett hat. Wird aber dennoch zu seinen Einsätzen kommen, weil er gut in Form ist und einfach mehr kann als Friedrich. Punkt.

Hugo Almeida
Sein Team gehört vielleicht nicht zu den ganz großen Favoriten auf den EM-Titel, die besten Chancen aller Außenseiter haben die Portugiesen aber allemal. Wie oft Hugoal im Laufe des Turniers zum Einsatz kommen wird, ist schwer vorherzusagen. Ich finde aber, dass er als regelrechte Urgewalt eine gute Ergänzung zum filigranen Cristiano Ronaldo wäre.

Markus Rosenberg
Dürfte nach 14 Toren und zuletzt starken Leistungen in der Bundesliga im Sturm der Schweden gesetzt sein, die mit ihm und Ibrahimovic ein richtig starkes Angreifer-Duo haben. Dennoch dürfte es höchstens für das Viertelfinale reichen. Vielleicht ist in einer schweren Gruppe mit Russland, Spanien und Griechenland auch schon nach der Vorrunde Schluss.

Ivan Klasnic

Unglaublich, dass diese für ihn sowieso schon krasse Saison nun auch noch mit der Teilnahme an der EM endet. Hat im kroatischen Team aber so große Konkurrenz (u.a. Ivica Olic, Mladen Petric), dass für ihn wohl kein Stammplatz herausspringen wird. Dafür hat Klasnic gute Chancen, über die Vorrunde hinaus im Turnier dabei zu sein. Kroatien sollte es schaffen können, sich hinter Deutschland Platz zwei in der Vorrunde zu sichern.

Sebastian Prödl
Offiziell ist er natürlich erst ab dem 1. Juli ein Werderaner, viele Bremer Fans werden bei der EM aber wohl trotzdem schon ein bisschen Prödl-Watching betreiben. Da er für Österreich spielt, denke ich aber, dass diese Tätigkeit bereits nach der Vorrunde wieder eingestellt werden kann. Mit Werder läuft's dann nächste Saison bestimmt besser.

Mittwoch, Mai 21, 2008

Very British.

Heute Abend geht's drum: das Finale im wohl wichtigsten Vereinswettbewerb überhaupt steht an. Manchester United kämpft mit dem FC Chelsea inklusive Michael Ballack in Bestform um den Champions-League-Pokal.

Ich hatte erst überlegt, dieses äußerst reizvolle Spiel hier live mitzubloggen, mich dann aber doch dagegen entschieden. Stattdessen gucken ich mir das Spiel nun ganz in Ruhe zusammen mit Sofa-Experten Marco und ein paar kalten Getränken an und lasse den Laptop Laptop sein.

Wer dennoch nicht auf ein höchst kompetente Begleitung in Liveblog-Form verzichten möchte, ist beim geschätzten Kollegen Felix an der richtigen Adresse. Der meldet sich ab 20 Uhr auf seinem Blog zu Wort und weiß eh viel mehr über Premier-League-Vereine als ich.

Auf allesaussersport fand ich vorhin noch einen Link zu diesem interessanten Artikel, in dem erklärt wird, warum man die Red Devils aus Manchester keinesfalls als "ManU" bezeichnen sollte.

Dienstag, Mai 20, 2008

Zu genau gezielt.

Pünktlich zum Mittagessen ein Link für alle, denen auch eklige Fotos nicht den Appetit verderben.

Der Mensch, der da sein eigenes Bein inklusive temporär integriertem Sportgerät fotografiert hat, wollte eigentlich einen Schülerwettbewerb im Diskuswerfen irgendwo im US-Bundesstaat Utah ablichten. Doch dann kam ein Speer des Weges geflogen und entschied sich, den Unterschenkel des Bildjournalisten als Landeplatz anzusteueren. Zum Glück war die daraus resultierende Verletzung nicht besonders schlimm.

Ich würde spontan vermuten, die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Leben von einem Blitz getroffen zu werden, ist höher. Was muss das für ein Schreck sein, plötzlich einen Speer im Bein stecken zu haben?

Wer geht wohin, wer kommt woher?

Kaum ist die Bundesligasaison vorbei, dreht sich das Personalkarussell ganz schnell. Hier mal eine kleine Übersicht, was in Werders Kaderküche momentan so am Köcheln ist:

Christian Vander hat seinen Vertrag kürzlich um zwei Jahre verlängert.

Kevin Schindler soll für eine Saison ausgeliehen werden, allerdings auf keinen Fall an einen Regionalligisten. Mehrere Klubs aus Liga eins und zwei sollen Interesse haben.

John Jairo Mosquera wird ebenfalls wieder ausgeliehen. Wohin der Kolumbianer nach den Kurzzeit-Stationen Wacker Burghausen und Alemannia Aachen diesmal geht, ist bisher noch nicht klar.

Dusko Tosic wird trotz Arbeitspapiers bis 2011 woll gehen, falls ein Angebot für ihn kommt.

Pierre Wome hat Vertragsgespräche mit Allofs abgelehnt, wird Werder also verlassen.

Carlos Alberto verlässt den FC Sao Paulo, kommt aber nicht zurück an die Weser. Stattdessen wird er für ein Jahr an Botafogo Rio de Janeiro ausgeliehen.

Marcelo Moreno von Cruzeiro Belo Horizonte soll an die Weser wechseln, ist Werder aber momentan offenbar noch zu teuer. Der 20-jährige Stürmer soll die Lücke füllen, die der Abgang von Ivan Klasnic hinterlässt.

Ivan Klasnic wiederum ruft immer mehr Interessenten auf den Plan. Nach Stuttgart, Hannover und Istanbul soll jetzt auch noch Olympiakos Piräus an ihm interessiert sein.

Montag, Mai 19, 2008

EM-Spieler im Fokus. Teil 1: Das Tor

Als inoffizieller Torwart-Beauftragter der Sofa-Experten hier noch mal meine Sicht auf die Torwartfrage und eine Prognose, wie das alles so weitergehen könnte.

Jens Lehmann
Die Entscheidung, Lehmann das Tor hüten zu lassen, finde ich ok. Er hat in der Nationalmannschaft bis auf das Spiel in Österreich eigentlich immer ansprechende Leistungen gezeigt. Außerdem hat er einen Erfahrungsschatz, den man bei den anderen deutschen Torhütern vergeblich sucht. Er wird das Ding schon schaukeln. Außerdem ist er anscheinend menschlich sehr gut in der Nationalmannschaft etabliert, die jungen Spieler scheinen ihn zu schätzen und er hilft ihnen auch bei ihrer Entwicklung weiter. Und das, obwohl er bei Arsenal wohl nicht so der Beliebteste zu sein scheint.

Robert Enke
Meiner Meinung nach seit 2 Jahren leistungsmäßig ganz vorne dabei. Unheimlich ruhiger, intelligenter Spielertyp mit überzeugender Strafraum-Beherrschung und unschlagbarem Eins-zu-Eins Spiel, dazu noch unglaubliche Reflexe auf der Linie.
Kann mir durchaus vorstellen, dass er Hannover doch verlässt, sollte z.B. der FC Bayern München einsehen, dass Michael Rensing zwar ein guter Torhüter ist, aber nicht außergewöhnlich genug, um in der Champions-League zu bestehen. Ansonsten aber wohl sicher bei Hannover.
Enke wird nach Lehmanns Rücktritt die Nummer eins werden und wohl auch die WM 2010 in Südafrika spielen.


René Adler
Ist die Zukunft des DFB. Wird im »Schatten« Enkes weiter aufgebaut, ihm gehört die Zukunft. Vielleicht nach 2010 oder EM 2012. Nur: Auch er muss sich noch stabilisieren. Aber im Gegensatz zu Konkurrenten wie etwa Manuel Neuer von S04 ist er bereits wesentlich weiter.

Tim Wiese
wird sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig in der DFB- Auswahl nicht zum Zuge kommen. Auch wenn er ein Spitzen-Bundesligatorhüter ist. Bei ihm ist einfach der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung viel zu groß.



Timo Hildebrand

Hm. Nun ja, den Kollegen habe ich eigentlich immer sehr geschätzt, auch wenn es bezüglich dieses Themas innerhalb der Sofaexperten-Redaktion stark variierende Auffassungen gibt. Hildebrand verfügt über ein gutes Stellungsspiel und ebenfalls tolle Reflexe. Vielleicht nicht der absolute Überflieger, aber seit Jahren bereits unheimlich konstant. Seine »Ausbootung« vor der EM ist schon ein wenig fragwürdig. Er hat den schwierigen Schritt gewagt, ins Ausland zu gehen. Und dann auch noch in ein Land, in welchem die Offensivspieler eher im Fokus stehen. Er hat es geschafft, sich in einem offenen Konkurrenzkampf gegen Canizares, ein regelrechtes Torwartidol in Spanien und Publikumsliebling in Valencia, durchzusetzen. Still, meistens nur über Leistung. Ebenso konnte er die spanische Sportpresse hinter sich bringen. Auch nicht so leicht... Und dann gewinnt er mit Valencia den spanischen Pokal, hält sehr gut. Ich finde dies alles schon ziemlich klasse und eigentlich auch »nominierenswert«.



Aber man kann und muss die Torwart-Auswahl langfristig sehr gut nachvollziehen: Lehmann dankt ab, dann wird Enke die neue Nummer 1. Nummer zwei ist Adler, ein junger Spieler mit klasse Perspektiven. Um die Nummer drei werden sich abwechselnd Menschen wie Manuel Neuer oder Fromlowitz streiten. Auch Tim Wiese darf vielleicht einmal dabeisein. Wir werden sehen.

Und außerdem: Man stelle sich vor, wir müssten uns mit solchen Torleuten rumschlagen wie die Engländer. Undenkbar....



Ach, hier noch ein Lehmann-Klassiker:

Was taugen Prognosen vor der Saison?

Jetzt ist erst mal Sommerpause, aber Ende Juli geht es dann wieder los mit Vorschauen und Prognosen in Richtung neue Bundesligasaison. Ich wollte mal schauen, was diese Experten-Vorhersagen à la "bleibt drin", "steigt ab", "wird Meister" eigentlich wert sind und habe das zerschlissene 2007/2008er-Sonderheft der SportBild ein weiteres Mal bemüht.

Ich poste einfach mal die auf Platzierungen reduzierte Tabelle und schreibe hinter die jeweiligen Verein, was die SportBild ihnen in der vergangenen Saison zugetraut hat. Hinterher gucken wir dann mal, wie oft die Fachleute aus Hamburg richtig lagen:

1. Bayern München - "Spätestens ab dem dritten Spieltag wird Bayern die Liga von der Tabellenspitze aus dominieren"

2. Werder Bremen - "Bremen spielt um den Titel ... Voraussetzung: Die Mannschaft bleibt von langwierigen Verletzungen verschont"

3. FC Schalke 04 - "stark genug, um sich für die Champions League zu qualifizieren"

4. Hamburger SV - "reicht nicht, um unter den ersten Fünf der Liga zu landen"

5. VfL Wolfsburg - "Der VfL kommt [..] nicht übers Mittelmaß hinaus"

6. VfB Stuttgart - "Prognose: Platz fünf."

7. Bayer Leverkusen - "Platz zwei bis drei möglich, in jedem Fall wieder Rang fünf"

8. Hannover 96 - "So ist Hannover jetzt ein UEFA-Cup-Kandidat"

9. Eintracht Frankfurt - "Für den Klassenerhalt ist der Klub stark genug"

10. Hertha BSC - "erneut nicht mehr als ein Platz im Mittelfeld drin"

11. Karlsruher SC - "der Karlsruher SC [hält sich] souverän in der Bundesliga"

12. VfL Bochum - "zum Klassenerhalt reicht es"

13. Borussia Dortmund - "Dortmund spielt um Platz fünf bis neun"

14. Energie Cottbus - "Cottbus bleibt drin"

15. Arminia Bielefeld - "Bielefeld schafft den Klassenerhalt"

16. 1. FC Nürnberg - "ein einstelliger Tabellenplatz ist sicher"

17. Hansa Rostock - "Es [Klassenerhalt] wird eng"

18. MSV Duisburg - "Das spielerische Potential reicht zum Klassenerhalt"

Fazit: Ganze acht Mal lagen die Redakteure der SportBild daneben - das ist fast die Hälfte aller Prognosen. Wer also im kommenden Sonderheft liest, sein Verein sei gut genug für den UEFA-Cup oder zu schlecht für den Klassenerhalt, sollte mit Hoffen und Bangen erst einmal noch abwarten - die Vorhersage der Journalisten ist nämlich mit einigermaßen großer Sicherheit schlichtweg falsch.

Sonntag, Mai 18, 2008

Der letzte Mohikaner.

Nach der Ankündigung Ivan Klasnic', Werder zur neuen Saison zu verlassen, dachte ich erst, damit würde zusammen mit Tim Borowski tatsächlich der letzte Meister und Pokalsieger von 2004 Bremen den Rücken kehren. Bei genauerem Hinsehen fiel mir aber auf, dass Frank Baumann ja weiterhin die Stellung hält. Irgendwie dennoch traurig, dass von einer solch geilen Mannschaft nur noch ein Spieler da ist.

Hier mal in der Übersicht, wohin die Double-Sieger (nur das im weiteren Sinne Stimmpersonal) von vor vier Jahren im Laufe der Zeit entschwunden sind:

Tor: Andreas Reinke -> Karriereende

Abwehr: Ümit Davala -> Karriereende; Valérien Ismael -> Bayern München -> Hannover 96; Mladen Krstajic -> FC Schalke 04; Victor Skripnik -> Karriereende; Paul Stalteri -> Tottenham Hotspur -> FC Fulham

Mittelfeld: Tim Borowski -> Bayern München; Fabian Ernst -> FC Schalke 04; Krisztian Lisztes -> Borussia M'gladbach; Johan Micoud -> Girondins Bordeaux; Christian Schulz -> Hannover 96; Pekka Lagerblom -> 1. FC Köln -> Alemannia Aachen

Sturm: Ailton -> FC Schalke 04 -> Besiktas Istanbul -> Hamburger SV -> Roter Stern Belgrad -> Grasshopper Zürich -> MSV Duisburg -> Metalurg Donezk; Angelos Charisteas -> Ajax Amsterdam -> Feyenoord Rotterdam -> 1. FC Nürnberg; Markus Daun -> 1. FC Nürnberg -> MSV Duisburg; Ivan Klasnic -> ???; Nelson Valdez -> Borussia Dortmund

Insbesondere bei unseren ehemaligen Angreifern fällt auf, dass sie bei ihren neuen Clubs nicht so recht glücklich geworden sind. Manche wurden zu Wandervögeln (Ailton, Harry), andere kackten richtig ab (Nelson). Tja, selbst schuld. Wären sie mal an der Weser geblieben!

Ostfriesland schuftet für ein neues Stadion.

Am Samstag war ich in Emden beim Regionalligaspiel der Kickers gegen Borussia Dortmunds zweite Mannschaft. Da hab ich mir natürlich ein Exemplar des Vereinsmagazins "Kickers-Kurier" gesichert und darin von einer wirklich interessanten Aktion erfahren.

Momentan spielen die Kickers noch auf einem besseren Dorfsportplatz, um den herum die Zuschauer auf ein paar Tribünen ganz, ganz alter Schule sitzen und stehen. Nebenan kann man, wie mir unser Autor Dr. Selzsam versicherte, hin und wieder sogar ein paar Kühe grasen sehen, was die Fußballprovinz-Idylle perfekt macht.

Nun wollen die Emder aber eine neue Heimspielstätte bauen. Die soll im Grunde genommen eine kleine Ausgabe der Allianz-Arena für 15.000 Fans werden. So ein Schmuckstück kostet aber selbstverständlich gut Geld und das haben die Kickers erst zu 80% zusammen. An dieser Stelle kommt die oben angesprochene Aktion ins Spiel.

Zwei Mitarbeiter des VW-Werks in Emden, natürlich Kickers-Fans, hatten am Fließband die Idee, eine zusätzliche Schicht lang ranzuklotzen und das verdiente Geld ihrem Lieblingsverein für den Stadionbau zukommen zu lassen. Diese Geschichte ist nun Inspiration für viele andere, es genauso zu machen. Das ganze hat sich mittlerweile zu einer offiziellen Riesenaktion mit dem Slogan "Arbeitszeit für unser neues Stadion!" gemausert. Man kann als Fan einen Antrag ausfüllen und dort seine Bereitschaft erklären, für das Stadion zu schuften. Die Abstimmung mit dem Arbeitgeber übernimmt dann der BSV Kickers Emden.

Ich finde diese Bereitschaft, dem örtlichen Verein zu helfen, ziemlich cool. Richtig gut gefällt mir, dass das ganze nicht vom Club, also von oben, sondern direkt an der Basis entstanden ist. Macht mir die Emder noch viel sympathischer!

Freitag, Mai 16, 2008

Ohne Timo fahr'n wir zur EM.

Die größte Überraschung bei der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Kaders war wohl, dass Timo Hildebrand nicht mit ins Trainingslager nach Mallorca fährt und dafür René Adler nachrückt (ganz nebenbei: Ich finde diese Entscheidung sportlich durchaus okay, aber auch richtig fies).

Was die ausgebootete, bisherige Nummer zwei im deutschen Tor darüber denkt, ist auf ihrer persönlichen Homepage nachzulesen: "Heute vormittag hat mich Torwart-Bundestrainer Andreas Köpke angerufen und mitgeteilt, dass man sich im Trainerstab der Nationalmannschaft entschieden habe, mich für die kommende Fußball-Europameisterschaft nicht zu nominieren. Ich bin überrascht, geschockt, auch irritiert."

So fängt das Statement eines wohl ziemlich auf dem falschen Fuß erwischten Timo Hildebrand an und so geht es weiter.

Dschinghis Kahn.

Oliver Kahn, seines Zeichens seit gefühlten 300 Jahren Torwart-Titan beim FC Bayern München, läuft morgen zu seinem allerletzten Pflichtspiel auf. Darüber wurde schon viel geredet und geschrieben, aber noch nicht besonders oft gesungen.

In dieser Hinsicht hat das NDR-Satiremagazin "extra3" am Donnerstagabend mit einer wunderbaren Ode an Olli Kahn für Abhilfe gesorgt. Wer die Premiere des Schlagers mit Ohrwurm-Potential im TV verpasst hat, kann auf der Internetseite der Sendung noch nachgucken. Hu-Ha!

Donnerstag, Mai 15, 2008

Bildschön.

Vor einer Weile hatte ich ja schon einmal kurz auf das Buch „Reuters – Sport im 21. Jahrhundert“ hingewiesen und mich darauf gefreut, endlich selbst reinschauen zu können. Nun ist mir endlich ein Exemplar dieses tollen Bildbands ins Haus geflattert, wobei das wohl angesichts dieses Brockens von Buch ein viel zu elegantes Wort ist.

Kiloschwer und fast 400 Seiten dick sind in diesem Wälzer genau 766 der außergewöhnlichsten, spektakulärsten oder auch einfach „nur“ schönsten Fotos gesammelt, die im Laufe der Jahre 2000 bis 2007 von Reuters-Fotografen (kurze Info für alle, die sich in der Medienwelt nicht so auskennen: Reuters = größte Nachrichtenagentur der Welt) gemacht wurden.

Eingeteilt ist der große Fototeil, der auf eine kurze textliche Einführung zum „Sport im 21. Jahrhundert“ folgt, in vier große Kapitel: Sportliche Triumphe, Helden und Verlierer, Der Geist des Sports und Abseits des Spielfelds.

Mir haben es besonders die Kapitel drei und vier sehr angetan, weil man vor allem dort Motive zu sehen bekommt, die es nicht oft in die alltäglichen Medien schaffen. Es gibt Fotos von abseitigen Sportarten wie Moor-Schnorcheln oder Menschen, die beim englischen Tough Guy Event durch Flammen laufen. Diese besonderen Leibesertüchtigen sind ganz speziell von den Fotografen eingefangen worden, wodurch sich dem Leser/Betrachter ganz neue Perspektiven auf die Welt des Sports eröffnen.

Natürlich kommen auch die „großen“ Disziplinen und ihre Vertreter keineswegs zu kurz. Es gibt neben vielen anderen Bilder des Moments, in dem Zidane im WM-Finale 2006 die rote Karte sieht und von Tiger Woods, der gerade zu einem seiner präzisen Schläge ansetzt. Die abwechslungsreiche Mischung zwischen Top-Athleten und völlig unbekannten Sportlern macht dieses Buch besonders schön.

Die Bilder stehen übrigens niemals ganz für sich, immer gibt es auch einen kurzen Text dazu. Der sorgt für die nötige Einordnung, sowohl zeitlich als oft auch in dem Sinne, dass er erklärt, warum gerade dieser eine Augenblick wichtig genug war, für das Buch ausgewählt zu werden. Die Texte trüben den Genuss des Buches kaum, sie stehen so weit zurück, dass die Bilder immer noch die unbestrittenen Stars jeder einzelnen Seite bleiben und genug Platz bekommen, ihre volle Wirkung zu entfalten.

Ich kann guten Gewissens jedem – nicht nur Sportfans – raten, wenigstens mal einen Blick in diesen wirklich brillanten Fotoband, der hierzulande im Bucher Verlag erschienen ist, zu werfen. Wer sich das Buch selbst kaufen möchte, aber den recht hohen Preis von fast 40 Euro scheut, der bekommt mit der englischen Originalausgabe "Reuters - Sport in the 21st Century" eine Variante geboten, die zuletzt vielerorts im Preis gesenkt wurde.

PS: Leider habe ich keine Möglichkeit, hier einige der Fotos aus dem Bildband zu zeigen und diesen Buchtipp so etwas anschaulicher zu machen. Ich kann nur noch einmal auf die Bildergalerie auf Spiegel online verweisen, wo einige Highlights aus „Reuters – Sport im 21. Jahrhundert“ gezeigt werden.

Dienstag, Mai 13, 2008

Vander bleibt.

Am Samstag im Stadion habe ich noch mit einem Kumpel über die in der Sommerpause anstehenden Baustellen im Bremer Kader diskutiert. Einer der Punkte, über die wir gesprochen haben, war die Position des zweiten Torwarts hinter Tim Wiese. Bis vor wenigen Minuten war ich oder besser gesagt waren wir nämlich davon ausgegangen, dass Christian Vander (drei Bundesligaspiele in den letzten drei Jahren) Werder verlässt und eine neue Nummer zwei her muss.

Nun die Überraschung, nachdem Vander eigentlich eine neue Herausforderung suchen und zum ersten Mann werden wollte: Er hat seinen Vertrag verlängert und bleibt erst mal noch zwei Jahre. Tja, da gab's wohl keine besseren Angebote, was? Kein Wunder - ich würde mir Vander auch nicht als Stammtorwart holen.

Montag, Mai 12, 2008

Flitz, Forest, flitz!

Meist sind es Momente, in denen das Spiel völlig langweilig dahinplätschert. Keine Aussicht mehr auf Spannung, wahlweise reifen Gedanken an kühles Bier in knallender Sommersonne oder heißen Tee in verwehtem Schneeregen. Und plötzlich sind alle wieder wach, es ist Leben in der Hütte - denn ein Flitzer hat sich zum Ordner-Slalom auf dem Rasen eingefunden.

Gestern war wieder so ein Tag: Der FC Sankt Pauli liegt im bedeutungslosen Gipfeltreffen um Platz sieben 0:2 gegen Alemania Aachen zurück. Das Führen von Zweikämpfen mit Körperkontakt haben beide Mannschaften längst eingestellt, die Strafräume sind tabu, anscheinend hat der Platzwart in der Halbzeit schonmal frischen Rasen vor den Toren ausgesät, der nun geschont werden soll. Kurzum: Ein Grottenkick, einzig ansehnliches Element ist die Schiedsrichterin, die übrigens komplett ohne Karte auskommt.

Und dann rennt er. Wahrscheinlich von der Südkurve aus hat sich ein Fan - etablierte Medien werden später von einem "vermeintlichen Fan" schreiben, so als könnten sie in seinen Kopf sehen und seinen Charakter bei zehn Bier weniger mit diesen zwei Worten auch gleich mitbeschreiben - auf den Weg über den Platz gemacht. Mit jedem Meter, den er dem Mittelkreis näher kommt, nimmt die Aufmerksamkeit des Publikums zu. Erst als sich die Aktion auch bis auf die hinterste Stadiontoilette rumgesprochen haben dürfte, werden die Ordner wach und wackeln dem Mann mit ihren aufgepumpten Körpern unbedarft hinterher. Die Menge ringsum hat richtig Spaß und wäre nicht Aachens Herzig mit einem technisch etwas unsauberen Body-Check zum Spielverderber avanciert, wäre das Rennen wohl immer noch nicht beendet. Danach plätscherte der Sommerkick ereignislos weiter, einzig Herzigs folgende Ballkontakte gaben dem Kick eine Prise Würze.

Unterm Strich lässt sich festhalten: Der Flitzer hat niemandem wehgetan, die Sicherheitslücken im Ordnersystem anschaulich dargelegt und nebenbei noch das Publikum erheitert. Trotzdem droht dem Mann jetzt ein Stadionverbot, dem Verein eine Geldstrafe. Auch wenn diese Handhabung inzwischen quasi manifestiert ist, wirft die Geschichte die Frage nach dem warum auf.

Flitzer gehören zum Fußball seitdem es Stadien gibt. Sie sorgen für Gesprächsstoff in den Kurven und an den Stammtischen und der Schaden, den sie anrichten beschränkt sich meist auf zwei Minuten Nachspielzeit. Dass Zuschauer, die Spieler oder Schiedsrichter tätlich angreifen, hart bestraft werden müssen, steht außer Frage. Aber wenn friedliche Flitzer ebenso mit Stadionverboten belegt werden, kann gar keine Verhältnismäßigkeit mehr gewahrt werden. Niemand wird jetzt für eine Generalamnestie für die lustigen Renner plädieren, schließlich setzen sie sich über die Stadionordnung hinweg und stören das Spiel. Dennoch sollten Liga und Vereine hier nicht das Augenmaß verlieren und die Selbstdarsteller zwar spürbar aber trotzdem nicht drakonisch abstrafen. Sie könnten beispielsweise dazu verdonnert werden, einmal die komplette Kurve zu fegen oder das Vereinsemblem frisch zu streichen. Finden lässt sich da immer was.

Alternativ böte sich zur Bestrafung auch eine Vollzeit-Video-Analyse des gestrigen Spiels an. Auch wenn das vielleicht schon wieder etwas zu drakonisch ist.

Sonntag, Mai 11, 2008

Spruch des Tages.

Matthias Sammer gestern als Premiere-Experte über Energie Cottbus:

"Lieber ekelig drin geblieben, als symphatisch abgestiegen."

Ich teile diese Ansicht des Herrn Sammer ehrlich gesagt nicht so ganz. Mir wäre es am liebsten gewesen, Cottbus wäre ekelig abgestiegen. Aber gut, man kann nicht alles haben. Müssen sich halt leider alle, die nicht für Energie Cottbus schwärmen (ich schätze mal so circa 99,7 Prozent der deutschen Fußballfans), noch mindestens eine Saison lang diesen Schrott in der ersten Liga angucken.

Zahl des Tages.

20. So viele verschiedene Torschützen hatte Werder Bremen in dieser Saison. Das ist ein neuer Bundesligarekord, der in Zukunft wohl ähnlich schwer zu knacken sein wird wie die 40-Buden-Rekordmarke von Gerd Müller.

Ich konnte es kaum glauben, als ich die Zahl gehört habe, und habe gleich mal geprüft, ob sich da auch keiner verzählt hat. Hier zum Beweis die komplette Liste (bei Spielern, die mehrfach getroffen haben, steht in Klammern die Zahl der Tore):

1. Diego (13)
2. Sanogo (9)
3. Harnik
4. Pasanen (2)
5. Almeida (11)
6. Niemeyer
7. Mertesacker
8. Rosenberg (13)
9. Jensen (2)
10. Andreasen (2)
11. Naldo (3)
12. Mosquera
13. Baumann
14. Klasnic (7)
15. Fritz
16. Boenisch
17. Borowski (2)
18. Frings
19. Özil
20. Hunt

Freitag, Mai 09, 2008

Hartplatzhelden unterstützen.

Die Seite Hartplatzhelden ist eine feine Sache für die Amateurfußballszene: Hier wird allen Kickern, die ihren Sport hauptsächlich aus Leidenschaft und nicht für große Kohle ausüben, eine richtig schicke Plattform im Netz geboten.

Leider ist der Württembergische Fußballverband (WFV) den Hartplatzhelden-Betreibern richtig böse dazwischengegrätscht, weil er nicht will, dass dort einfach so und völlig umsonst Videos von Spielen zu sehen sind, die unter der Hoheit des WFV stattfinden. Das ist gelinde gesagt scheiße für Hartplatzhelden und eine sehr negative Entwicklung, was den Amateurfußball insgesamt angeht.

Es gab eine Klage, der wurde in erster Instanz Recht gegeben und nun haben die Hartplatzhelden eventuell ein Problem. Solidasieren kann und sollte sich jeder, indem er/sie diesem Link folgt und eine virtuelle Signatur hinterlässt.

Autsch.

Das Spiel HSV gegen Werder am Mittwoch hat mich dazu inspiriert, hier endlich diesen sehr unterhaltsamen Zusammenschnitt der "Top 10 football fights and fouls" zu verlinken. Mein Favoriten sind ganz klar Roy Keane bei 1:14 und der Ultimate-Fighting-Move des Torwart kurz vor Schluss, gegen den Tim Wieses Anschlag auf Olics Gesundheit nur noch halb so schlimm anmutet. Aber seht selbst:

Mittwoch, Mai 07, 2008

Kill Bernd

Ich weiß ja nicht, ob das wirklich noch Sport ist, aber den Wettbewerb, den sich russische und US-amerikanische Marine-Soldaten demnächst in Wladiwostock liefern wollen, kann ich nur gutheißen: Man misst sich im Sandwich-Machen. Ich vermute ja, dass es keine warmen sind, nach all dem was vorgefallen ist, aber dieser Kalauer ist doch um Welten schlechter als der, den die ARD liefert. Immer noch Schenkel klatschend poste ich den Link.

Montag, Mai 05, 2008

Kleines Bilderrätsel zum Nordderby.

Welchen Verein mögen wir lieber?

Beim HSV hackt's auch.

Zweiter Teil unserer beliebten "Es hackt"-Reihe.

Wer sich mit mir schon einmal über die Pressestelle des HSV unterhalten hat (ich weiß, nicht gerade DAS Partythema), der weiß, dass ich darüber bisher nur Gutes zu berichten hatte. Freundliche Antworten sowie ausführliche Auskünfte am Telefon und per Mail, dazu eine Pressekarte für mich als bremen4u-Reporter für das Spiel HSV gegen Werder am Mittwoch.

Doch nun fällt ein großer, schwarzer Schatten auf das Bild, dass ich bisher von der Medienbetreuung des Hamburger Sport-Vereins hatte: Will man aus dem Stadion nämlich live per Internet berichten, wie ich es eigentlich vorhatte, muss man über die Telekom einen ISDN-Anschluss extra für das jeweilige Spiel und den zugewiesenen Platz beantragen, was dann mal eben schlappe 150 bis 200 Euronen kostet. Aus diesem Grund verzichtet bremen4u jetzt auf Jensen-Liveblogging aus dem Stadion; stattdessen wird der geschätzte Kollege Christoph aus der Redaktion anhand von Premierebildern berichten.

Ich kann die Entscheidung absolut verstehen, so viel Geld für einen schnöden Internetanschluss nicht ausgeben zu wollen. Bei Werder zahlt man entweder gar nix (wenn man schon ein Nordcom-Passwort von zu Hause oder sonstwo her hat) oder maximal 30 Euro, wenn ich mich richtig erinnere. Ich persönlich finde ja, dass gewisse technische Ausstattung (und dazu rechne ich einen W-Lan- odervon mir aus auch ISDN-Anschluss) grundsätzlich umsonst vom Verein zur Verfügung gestellt werden sollte, aber gut. Ein paar Euros gehen ja auch noch, aber 150? Ne, da hört für mich der Spaß auf.

Kleines bisschen Reklame noch: Mein Interview mit Tim Borowski ist vorhin erschienen.

Samstag, Mai 03, 2008

Bei Delling hackt's.

Und das ist ja nicht eben neu. Aber was er sich gerade eben geleistet hat, versteh' ich nun gar nicht mehr. Die Anmoderation zum Spielbericht Werder-Cottbus in der Sportschau enthielt folgenden Satz: "... in einer Woche, die den Bremern an die Nieren ging..." - Für diejenigen, die nicht informiert sind: Ivan Klasnic verklagt Vereinsärzte, weil er der Meinung ist, sie hätten eine Nierenerkrankung nicht rechtzeitig erkannt und somit eine Transplantation erst unumgänglich gemacht.

Dumm, respektlos, ohne weitere Worte.

Ohne Diego, mit Boro.

Werder muss heute gegen Energie Cottbus leider auf Spielmacher Diego verzichten. Ob es trotzdem für einen Sieg reicht, lässt sich ab 15.15 Uhr im bremen4u-Liveblog nachlesen.

Das nächste Spiel steht dann schon am Mittwoch gegen den HSV an. Unter anderem darüber habe ich mit Tim Borowski gesprochen. Das komplette Interview gibt's Anfang kommender Woche ebenfalls im Citytalk von bremen4u online. Einfach im Laufe des Montags mal reinlesen!